Ja, über Geld darfst du reden – aber finde zuerst heraus, was feststeht und was verhandelbar ist. In vielen Ländern legt ein Tarifvertrag den Mindestlohn für eine Branche fest, es gibt also eine Untergrenze. Wie viel Spielraum es darüber gibt, hängt vom Job, vom Land und vom Arbeitgeber ab. Überleg dir eine realistische Zahl und frag nach dem ganzen Paket, nicht nur nach dem Monatsgehalt.
Die allgemeine Regel: Kenne die Untergrenze und das Paket
- Prüf das Minimum. Viele Länder haben einen gesetzlichen Mindestlohn; andere überlassen den Mindestlohn den Tarifverträgen der einzelnen Branchen – zum Beispiel Österreich, Italien, Dänemark und Finnland. Frag, welcher Tarifvertrag für den Job gilt.
- Zähl die Gehälter. In Österreich zahlen Jobs mit Tarifvertrag (Kollektivvertrag) meist 14 Gehälter im Jahr (12 plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld) – teil ein Jahresangebot also durch 14, nicht durch 12. In Portugal bekommst du 14 Zahlungen im Jahr, in Spanien mindestens zwei Sonderzahlungen, in Italien je nach Tarifvertrag ein oder zwei zusätzliche Monatsgehälter.
- Achte auf Extras. In Kroatien zahlen manche Arbeitgeber einen Fahrtkostenzuschuss oder einen steuerfreien Zuschuss für warme Mahlzeiten (bis zu 1.800 € im Jahr). In Malta hat jeder Beschäftigte Anspruch auf den gesetzlichen Bonus und die wöchentliche Zulage.
Neue EU-Regeln zur Entgelttransparenz
Die Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) gibt Bewerbern das Recht auf Informationen über das Einstiegsgehalt oder dessen Spanne für die Stelle – zum Beispiel in der Stellenanzeige oder vor dem Gespräch – und legt fest, dass Arbeitgeber nicht nach deinem bisherigen Gehalt fragen dürfen. Die EU-Länder mussten sie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen, die genauen Regeln und Termine hängen also vom Land ab. Steht in der Anzeige keine Gehaltsspanne, darfst du ruhig danach fragen.
Was sich zwischen den Ländern unterscheidet
- In Schweden ist es üblich, das Gehalt individuell zu verhandeln: Neue Beschäftigte handeln ihr Einstiegsgehalt meist selbst aus, und das Gehalt wird normalerweise einmal im Jahr überprüft.
- In Litauen solltest du dir schon vor dem Gespräch Gedanken über deine Gehaltsvorstellungen machen.
- In Island dürfen Gehälter und Bedingungen nie unter denen der Tarifverträge liegen.
Praktische Tipps
- Erst recherchieren: Prüf den Mindestlohn, den Tarifvertrag und die Gehälter für ähnliche Jobs. Frag immer nach, ob eine Zahl brutto oder netto, pro Monat oder pro Jahr gemeint ist.
- Nenn eine Spanne, die auf Fakten beruht – nicht auf dem, was du zu Hause verdient hast.
- Verhandle nicht nur über Geld: Weiterbildung, Homeoffice, Startdatum, Urlaub oder Hilfe beim Umzug.
- Lass es dir schriftlich geben. Das Gehalt sollte in deinem Vertrag oder in schriftlichen Informationen stehen – prüf es, bevor du unterschreibst.
EURES nennt Gehaltsvorstellungen als gutes Thema für deine eigenen Fragen im Vorstellungsgespräch.
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Vergleich die Mindestlöhne in Mindestlohn in 32 Ländern, prüf die Gehaltsregeln im jeweiligen Länderporträt und lies Vor dem Start: Vertrag, Steuern, Sozialversicherung und Krankenversicherung, um dein Nettogehalt zu verstehen.
Häufige Fragen zu Bewerbung und Vorstellungsgespräch
Quellen
Stand: Oktober 2026