Norwegen

Staat: Norwegen
Bevölkerung: 5,6 Mio. (2026)
Hauptstadt: Oslo
Amtssprache(n): Norwegisch, Samisch
Währung: Norwegische Krone (NOK)
EU / EWR: EWR-Mitglied (nicht in der EU)
Arbeitslosenquote (15-74): 4,5 % (2025; EU: 6,0 %)
Jugendarbeitslosigkeit (15-24): 14 % (2025; EU: 15,2 %)
Erwerbstätigenquote (20-64): 79,5 % (2025; EU: 76,1 %)
Gesetzlicher Mindestlohn: keiner – Mindestlöhne werden in Tarifverträgen festgelegt; gesetzlich verbindliche Mindestlöhne in 9 Branchen, z. B. Reinigung: 236,54 NOK pro Stunde (seit Juni 2025)
Öffentliche Arbeitsverwaltung: Nav – nav.no

Keinen allgemeinen Mindestlohn, aber gesetzlich verbindliche Mindestlöhne in neun Branchen – von Reinigung und Bau bis zu Hotels und Restaurants – und einen schriftlichen Vertrag für jeden Job. 2026 fehlten norwegischen Unternehmen rund 34.000 Arbeitskräfte, vor allem im Gesundheitswesen, in der Industrie und am Bau. Hier erfährst du, wo du suchen sollst, wie du dich anmeldest und wie die Steuer in deinen ersten Wochen funktioniert.

Norwegen hat 5,6 Mio. Einwohner und eine Erwerbstätigenquote über dem EU-Durchschnitt: 79,5 % der 20- bis 64-Jährigen haben einen Job (EU: 76,1 %).

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, steigt aber jedes Jahr – von 3,2 % im Jahr 2022 auf 4,5 % im Jahr 2025. Das ist immer noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 6,0 %. Die Jugendarbeitslosigkeit (15–24) ist stärker gestiegen, von 10 % auf 14 %, liegt aber weiter unter den 15,2 % der EU.

Norwegen ist nicht in der EU, gehört aber zum EWR. Als EU/EWR-Bürger brauchst du deshalb keine Arbeitserlaubnis – du musst dich nur anmelden, wenn du länger als 3 Monate bleibst. Im Jobportal von Nav kannst du nach Stellen filtern, in denen Englisch die Arbeitssprache ist; mit Norwegisch stehen dir aber viel mehr Türen offen.

In seiner Unternehmensumfrage 2026 (Bedriftsundersøkelsen, Mai 2026) schätzt Nav – die öffentliche Arbeitsverwaltung –, dass norwegischen Unternehmen rund 34.000 Arbeitskräfte fehlen. Die größten Lücken:

  • Gesundheit und Pflege – 9.200 Personen, vor allem Pflegefachkräfte (helsefagarbeidere, 3.650) und Krankenpfleger/-innen (1.850),
  • Industrie – 5.750 Personen,
  • Bau – 4.750 Personen, besonders Zimmerer und Tischler (1.150) sowie Elektriker (1.110).

Am größten ist der Mangel in der Provinz Vestland (6.300), in Rogaland (3.750) und in Nordland (2.950).

Laut EURES gibt es den häufigsten Mangel außerdem bei Bauhandwerkern (außer Elektrikern), Fachkräften aus Naturwissenschaft und Technik sowie Lehrkräften. Regional fehlen Krankenpfleger/-innen, Pflegeassistenten, Fachärzte, Köche, Elektriker und Schweißer. Mehr Arbeitsuchende als Stellen gibt es dagegen bei Reinigungs- und Hilfskräften, Hilfsarbeitern und Bürokräften.

Für Absolventen sind die Chancen im Gesundheitswesen, im Ingenieurwesen und im Lehramt am besten.

Die öffentliche Arbeitsverwaltung Nav betreibt arbeidsplassen.no, eine der größten Datenbanken für Stellenanzeigen in Norwegen. Fang hier an:

  • arbeidsplassen.no – das kostenlose Jobportal von Nav; filtere nach Arbeitssprache (z. B. „Engelsk“) und nutze bei manchen Jobs die „superschnelle Bewerbung“ (superrask søknad) – ein paar Klicks statt eines Lebenslaufs,
  • EURES – das Jobportal der EU, dazu EURES-Berater in deinem Heimatland und in Norwegen,
  • Min CV auf nav.no – stell dort deinen Lebenslauf ein (nach dem Login mit einer elektronischen ID), damit Arbeitgeber dich finden.

Größere Arbeitgeber suchen oft über ihre eigenen Websites und soziale Medien wie LinkedIn, und es gibt noch weitere Jobportale. Stell deinen Lebenslauf an mehreren Stellen ein, damit man dich sieht. Wenn du angekommen bist, hilft dir das Servicezentrum für ausländische Arbeitskräfte (SUA): Dort sitzen Polizei, Steuerverwaltung und Arbeitsaufsicht unter einem Dach und helfen dir, alles zu erledigen, was du zum Arbeiten brauchst.

Schritt-für-Schritt-Tipps zu Jobsuche, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch in jedem EU-Land findest du hier: Job im Ausland finden – 10 praktische Ratgeber.

Eine typische Bewerbung in Norwegen besteht aus:

  • einem Lebenslauf – ein kurzer Überblick über Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse, Kurse, Zertifikate und andere wichtige Fähigkeiten; der Europass-Lebenslauf kann dir dabei helfen,
  • einem Anschreiben – in Norwegen üblich: Erkläre, warum deine Qualifikationen gut zur Stelle passen,
  • Nachweisen – Zeugnisse, Zertifikate, Referenzen und Lizenzen, wenn der Arbeitgeber danach fragt.

Arbeitgeber achten auf fachliche Qualifikationen, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Motivation.

Das Vorstellungsgespräch: Es kann vor Ort oder online stattfinden. Meist wirst du nach deiner Erfahrung, deiner Motivation und danach gefragt, wie du an Aufgaben herangehen würdest.

Abschlüsse: Eine Anerkennung deiner ausländischen Ausbildung ist oft hilfreich, aber nicht immer nötig, um mit der Arbeit anzufangen. Für reglementierte Berufe brauchst du die Zulassung der zuständigen Behörde. Das norwegische Direktorat für Hochschulbildung und Kompetenz (HK-dir) ist Norwegens ENIC-NARIC-Zentrum und Beratungsstelle für reglementierte Berufe.

  • Kein allgemeiner Mindestlohn. Der Lohn wird in Tarifverträgen festgelegt oder mit deinem Arbeitgeber vereinbart. In neun Branchen gelten aber gesetzlich verbindliche Mindestlöhne, darunter Bau, Reinigung, Elektroarbeiten, Fischverarbeitung, Landwirtschaft, Güterkraftverkehr, Reisebusverkehr, Kfz-Branche und Gastgewerbe. Beispiele (seit 15. Juni 2025): Reinigung 236,54 NOK pro Stunde (ab 18), Hotels, Restaurants und Catering 204,79 NOK pro Stunde (Einstiegslohn ab 20 Jahren).
  • Arbeitszeit: normalerweise höchstens 9 Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche, mit mindestens 11 Stunden Ruhe zwischen zwei Arbeitstagen. Wenn du mehr als 5,5 Stunden arbeitest, hast du Anspruch auf eine Pause – bei 8 Stunden oder mehr insgesamt mindestens 30 Minuten.
  • Überstunden werden mit einem Zuschlag von mindestens 40 % bezahlt. Grenzen: 10 Stunden in 7 Tagen, 25 Stunden in 4 Wochen und 200 Stunden in 52 Wochen.
  • Urlaub: mindestens 25 Werktage im Jahr (Samstage zählen mit, also etwa 4 Wochen und ein Tag); zwischen 1. Juni und 30. September kannst du 3 Wochen am Stück nehmen. Das Urlaubsgeld (feriepenger) beträgt mindestens 10,2 % (12 %, wenn ein Tarifvertrag eine fünfte Urlaubswoche vorsieht). Es wird im Vorjahr erarbeitet – wenn du letztes Jahr nicht gearbeitet hast, hast du kein Urlaubsgeld angespart, aber trotzdem Anspruch auf Urlaub.
  • Vertrag: Ein schriftlicher Vertrag ist Pflicht – für jeden Job, ob unbefristet, befristet, Teilzeit, Aushilfe oder auf Abruf. Dauert der Job länger als einen Monat, musst du ihn spätestens 7 Tage nach Arbeitsbeginn haben.

Studierende aus der EU/dem EWR dürfen in Norwegen neben dem Studium arbeiten. Wenn du dort länger als 3 Monate studierst, meldest du dich – kostenlos – bei der Polizei an, genau wie Arbeitnehmer.

  • Teilzeit- und Ferienjobs sind ganz normale Jobs: Du brauchst einen schriftlichen Vertrag, eine Steuerkarte und eine ID-Nummer (D-Nummer oder nationale Identitätsnummer).
  • In Hotels, Restaurants, in der Reinigung und in den anderen Branchen mit gesetzlich verbindlichem Mindestlohn gilt der Mindestlohn auch für dich.
  • Im Bereich Ung auf arbeidsplassen.no findest du erste Jobs, Teilzeitjobs und Jobs, für die du keine Erfahrung brauchst.
  • Urlaub: Du hast schon im ersten Jahr Anspruch auf Urlaub, Urlaubsgeld bekommst du aber nur für die Arbeit aus dem Vorjahr.

Studierende von außerhalb der EU/des EWR dürfen mit ihrer Studienerlaubnis automatisch bis zu 20 Stunden pro Woche in Teilzeit arbeiten, in den Ferien auch Vollzeit.

Du überlegst, zuerst dort zu studieren? Lies Studieren in Norwegen – praktische Infos.

  1. Anmeldung als EU/EWR-Arbeitnehmer: Wenn du länger als 3 Monate in Norwegen arbeitest und lebst, meldest du dich spätestens 3 Monate nach der Ankunft bei der norwegischen Einwanderungsbehörde (UDI) an und zeigst dann deine Dokumente bei der Polizei (oder beim SUA) vor. Du bekommst eine Anmeldebescheinigung. Die Anmeldung ist kostenlos.
  2. ID-Nummer: Wenn du mindestens 6 Monate bleibst, meldest du deinen Umzug bei der norwegischen Steuerverwaltung (Skatteetaten) und lässt deine Identität persönlich prüfen – dann bekommst du eine nationale Identitätsnummer (fødselsnummer). Sonst bekommst du eine D-Nummer.
  3. Steuerkarte (skattekort): Jeder, der in Norwegen arbeitet, braucht eine – dein Arbeitgeber zieht damit die Steuer ab. Wenn du neu in Norwegen bist und 2026 weniger als 725.050 NOK verdienst, kannst du nach dem PAYE-Verfahren mit pauschal 25 % besteuert werden.
  4. Sozialversicherung und Gesundheitsversorgung: Als EU/EWR-Arbeitnehmer bist du ab deinem ersten Arbeitstag Mitglied der staatlichen Sozialversicherung und hast damit Zugang zur Gesundheitsversorgung. Für einen festen Hausarzt (fastlege) musst du normalerweise in einer Gemeinde als wohnhaft gemeldet sein.
  5. Bankkonto: Du brauchst eins für dein Gehalt; Banken verlangen meist eine D-Nummer oder nationale Identitätsnummer und einen Ausweis.

Probleme mit deinen Rechten als EU/EWR-Arbeitnehmer? Ihr Europa – Beratung und SOLVIT helfen dir kostenlos.

EU/EWR-Bürger dürfen nach den EWR-Regeln in Norwegen leben, arbeiten und studieren – du musst dich nur anmelden (siehe oben). Wenn du nach weniger als einem Jahr Arbeit deinen Job verlierst, kannst du 6 Monate bleiben und einen neuen suchen (wenn du bei Nav gemeldet bist und nicht selbst gekündigt hast).

Wenn du kein EU/EWR-Bürger bist, brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis der UDI. Die wichtigsten Wege:

  • Jobsuche nach dem Studium – frische Absolventen (sowie Forschende und Fachkräfte) können eine Aufenthaltserlaubnis für bis zu ein Jahr zur Jobsuche bekommen. Du musst eigene Mittel von mindestens 27.116 NOK pro Monat (325.400 NOK pro Jahr) nachweisen – so die Angabe der UDI im Oktober 2026.
  • Fachkräfte – mit einem konkreten, normalerweise Vollzeit-Jobangebot eines norwegischen Arbeitgebers und einem Hochschulabschluss oder mindestens 3 Jahren Berufsausbildung auf Sekundarstufe II. Lohn und Arbeitsbedingungen dürfen nicht schlechter sein als in Norwegen üblich. Mit Hochschulabschluss bekommst du normalerweise eine Erlaubnis für jeweils bis zu 3 Jahre.

Alle Voraussetzungen und Schritte der Antragstellung erklärt die UDI: Fachkräfte und Arbeitsuchende.

Stand: Oktober 2026.


veröffentlicht: 2014-09-24
Datum der letzten Änderung: 2026-10-05

Kennzahlen: Eurostat (Bevölkerung am 1. Januar 2026; Arbeitslosen- und Erwerbstätigenquoten 2025; Mindestlöhne Juli 2026); für das Vereinigte Königreich – Office for National Statistics (britisches Statistikamt); für Liechtenstein – nationale Statistik. Länderinformationen: EURES – Lebens- und Arbeitsbedingungen, die öffentlichen Arbeitsverwaltungen und die offiziellen Regierungswebsites, die bei jedem Land aufgeführt sind. Regeln, Schwellenwerte und Beträge können sich ändern – prüf die offiziellen Quellen, bevor du umziehst. Stand: Oktober 2026.

Privacy Policy