Bevölkerung: 5,7 Mio. (2026)
Hauptstadt: Helsinki
Amtssprache(n): Finnisch, Schwedisch
Währung: Euro (EUR)
EU / EWR: EU-Mitglied seit 1995
Arbeitslosenquote (15-74): 9,7 % (2025; EU: 6,0 %)
Jugendarbeitslosigkeit (15-24): 21,8 % (2025; EU: 15,2 %)
Erwerbstätigenquote (20-64): 76,3 % (2025; EU: 76,1 %)
Gesetzlicher Mindestlohn: keiner – Mindestlöhne stehen in Tarifverträgen
Kein gesetzlicher Mindestlohn – Mindestlöhne stehen in Tarifverträgen, und viele davon gelten allgemein für eine ganze Branche. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, aber im Gesundheits- und Sozialwesen fehlt Personal, von Pflegefachkräften und Pflegeassistenten bis zu Ärzten. Hier erfährst du, wo du suchst, wie du dich bewirbst und wie du deine persönliche Kennnummer, deine Steuerkarte und deine Kela-Karte bekommst.
Finnland ist ein Land mit 5,7 Mio. Einwohnern und einer Beschäftigungsquote knapp über dem EU-Durchschnitt: 76,3 % der 20- bis 64-Jährigen haben einen Job (EU: 76,1 %).
Der Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahren schwächer geworden. Die Arbeitslosigkeit ist jedes Jahr gestiegen – von 6,8 % im Jahr 2022 auf 9,7 % im Jahr 2025, deutlich über dem EU-Durchschnitt von 6,0 %. Die Jugendarbeitslosigkeit (15–24) stieg auf 21,8 %, in der EU sind es 15,2 %.
Mit einer Staatsangehörigkeit der EU, Liechtensteins oder der Schweiz brauchst du keine Arbeitserlaubnis – wenn du länger als 3 Monate bleibst, registrierst du nur dein Aufenthaltsrecht. Die Sprache ist wichtig: Die öffentliche Arbeitsverwaltung nennt Finnisch oder Schwedisch „den Schlüssel zur Integration“, aber manche Jobs, zum Beispiel die auf Work in Finland gesammelten, gehen auch auf Englisch.
Den deutlichsten Fachkräftemangel hat Finnland im Gesundheits- und Sozialwesen. Im Juni 2025 hat die Regierung diese Mangelberufe festgelegt (Verordnung 291/2025, gültig bis 11. Juni 2026 – bei unserer Prüfung im Oktober 2026 haben wir keine neuere Liste gefunden), in denen Menschen mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Arbeiten den Job flexibler wechseln konnten:
- Ärzte – Allgemeinmediziner, Chefärzte und Fachärzte,
- Pflege – Pflegefachkräfte und Pflegeassistenten,
- andere Gesundheitsberufe – Dentalhygieniker, Audiologen und Logopäden,
- Industrie und Dienstleistungen – Prozessbediener in der Metallverarbeitung, Feuerwehrleute, Beschäftigte im Bestattungswesen.
EURES nennt Gesundheitsfachkräfte und Beschäftigte in personenbezogenen Dienstleistungen als die Gruppen, bei denen landesweit am häufigsten Personal fehlt. Bauhandwerker (außer Elektriker) stehen sowohl auf der Mangel- als auch auf der Überschussliste – das hängt von der Region ab. Mehr Arbeitsuchende als Stellen gibt es bei juristischen, sozialen und kulturellen Berufen sowie in Naturwissenschaft und Ingenieurwesen.
Für Absolventen sind die Chancen also im Gesundheits- und Sozialwesen am besten; in vielen anderen Bereichen ist die Konkurrenz groß, und Finnisch oder Schwedisch hilft sehr. Auf Åland ist gutes Schwedisch ein Muss.
Seit 2025 wird die öffentliche Arbeitsverwaltung in Finnland von kommunalen Beschäftigungsgebieten organisiert, und die Stellen werden auf dem landesweiten Portal Job Market Finland gesammelt. Fang hier an:
- Job Market Finland (Työmarkkinatori) – das landesweite Jobportal und die E-Services der Arbeitsbehörden, auf Finnisch, Schwedisch und Englisch,
- Work in Finland – Teil des staatlichen Programms Talent Boost, mit Jobs, für die Englisch reicht,
- EURES – das EU-Jobportal, dazu EURES-Berater in deinem Heimatland und in Finnland,
- öffentlicher Dienst: Valtiolle.fi – alle offenen Stellen in der Staatsverwaltung, dazu Praktika – und Kuntarekry – Gemeinden, Städte und Wohlfahrtsbezirke.
Die Jobsuche in Finnland braucht Zeit und Eigeninitiative: Schau regelmäßig auf die Seiten, kontaktier Arbeitgeber direkt und nutz dein Netzwerk – Facebook-Gruppen und LinkedIn funktionieren gut. Auch Personaldienstleister sind weit verbreitet. Finnische Arbeitgeber schätzen Eigeninitiative, Pünktlichkeit und klare Kommunikation.
Schritt-für-Schritt-Tipps zu Jobsuche, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch in jedem EU-Land findest du in unseren Ratgebern „Wie finde ich einen Job im Ausland? – 10 praktische Tipps“.
Eine finnische Bewerbung besteht meist aus:
- einem Lebenslauf – höchstens zwei A4-Seiten, mit deinem letzten Job und deiner letzten Ausbildung zuerst; ein Foto ist freiwillig, aber inzwischen recht üblich; nenn zwei Referenzpersonen oder schreib, dass Referenzen auf Anfrage verfügbar sind; der Europass-Lebenslauf passt gut,
- einem Anschreiben – höchstens eine Seite, in dem du erklärst, warum du den Job willst und warum du dafür geeignet bist.
Prüf in der Anzeige, welche Sprache der Arbeitgeber erwartet – viele Jobs setzen Finnisch oder Schwedisch voraus.
Das Vorstellungsgespräch: Es findet sehr oft online statt. Bereite vorher eigene Fragen vor und halte Kopien deiner Zeugnisse bereit.
Abschlüsse: Bei Jobs ohne gesetzliche Qualifikationsanforderungen entscheidet der Arbeitgeber, ob deine Qualifikationen passen. Bei reglementierten Berufen – und wenn du das Niveau eines Hochschulabschlusses anerkennen lassen willst – wende dich an das finnische Zentralamt für Bildung (Opetushallitus).
- Kein gesetzlicher Mindestlohn. Mindestlöhne stehen in den Tarifverträgen (työehtosopimus) der einzelnen Branchen, und viele davon sind allgemeinverbindlich – sie gelten für alle Arbeitgeber der Branche, für finnische und ausländische Beschäftigte gleichermaßen. Wo es keinen Tarifvertrag gibt, muss der Lohn für diese Art von Arbeit „üblich und angemessen“ sein. Urlaubsgeld (lomaraha) gibt es nur, wenn der Tarifvertrag es vorsieht.
- Arbeitszeit: Die reguläre Arbeitszeit darf 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Überstunden brauchen deine Zustimmung und werden mit mindestens 50 % Zuschlag bezahlt. Die gesamte Arbeitszeit darf im Bezugszeitraum im Schnitt höchstens 48 Stunden pro Woche betragen.
- Urlaub: Für jeden Monat, in dem du mindestens 14 Tage oder 35 Stunden arbeitest, bekommst du 2 oder 2,5 Tage bezahlten Urlaub (das Urlaubsjahr läuft vom 1. April bis 31. März). Sommerurlaub nimmt man meist zwischen dem 2. Mai und dem 30. September.
- Lohnabrechnung: Du musst immer eine bekommen, mit Bruttolohn, Abzügen und Nettolohn.
- Vertrag: Er kann mündlich sein, dann muss dir der Arbeitgeber aber die Bedingungen schriftlich mitteilen; ein schriftlicher Vertrag ist immer zu empfehlen. Eine Probezeit kann bis zu 6 Monate dauern.
- Lohnfortzahlung bei Krankheit: Wenn dein Job schon mindestens einen Monat besteht, bezahlt dich der Arbeitgeber für den Tag, an dem du krank wirst, und die 9 Tage danach.
Studierende aus der EU, Liechtenstein und der Schweiz dürfen in Finnland ohne Genehmigung arbeiten.
- Teilzeit- und Sommerjobs sind ganz normale Beschäftigung: Der Tarifvertrag der Branche gilt, und alle Beschäftigten haben Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub oder eine Urlaubsabgeltung.
- Steuerkarte: Besorg dir vor deinem ersten Zahltag eine und gib sie deinem Arbeitgeber – dein Steuersatz hängt von deinem Einkommen ab.
- Praktika und Traineeships: Die Staatsverwaltung schreibt Praktikumsplätze auf Valtiolle.fi aus.
Studierende von außerhalb der EU mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Studium dürfen in jedem Bereich im Schnitt 30 Stunden pro Woche arbeiten (im Schnitt 120 Stunden pro Monat oder 1.560 Stunden pro Jahr). Pflichtpraktika im Studium zählen nicht zu dieser Grenze.
Willst du dort zuerst studieren? Lies Studieren in Finnland – praktische Infos.
- Registriere dein Aufenthaltsrecht bei der finnischen Einwanderungsbehörde (Migri), wenn du länger als 3 Monate bleibst: Stell den Antrag online in Enter Finland, sobald du umgezogen bist, und geh dann mit deinen Originaldokumenten zu einer Servicestelle. Gebühr: 53 € (2026). Du bekommst eine Anmeldebescheinigung auf Papier. (Staatsangehörige nordischer Länder registrieren sich stattdessen bei der Behörde für digitale Dienste und Bevölkerungsdaten, DVV.)
- Persönliche Kennnummer (henkilötunnus): Sie wird von der DVV vergeben, in manchen Fällen auch von Migri oder der Steuerverwaltung. Bring zum Finanzamt deinen Reisepass oder Personalausweis und deinen Arbeitsvertrag mit – die Nummer wird meist innerhalb von 1–3 Werktagen vergeben. Wegen der Anmeldung deiner Adresse in Finnland wendest du dich an die DVV.
- Steuerkarte (verokortti): Wenn du länger als 6 Monate bleibst, bist du in Finnland unbeschränkt steuerpflichtig – beantrage eine Steuerkarte und gib sie deinem Arbeitgeber. Wenn du 6 Monate oder kürzer bleibst, beträgt die Quellensteuer meist 35 %, aber als EU-/EWR-Bürger kannst du stattdessen die progressive Besteuerung beantragen.
- Kela (Sozialversicherung): Wenn du in Finnland arbeitest und mindestens 800,02 € pro Monat (2026) verdienst, kannst du ab Jobbeginn Kela-Leistungen wie Krankengeld bekommen. Den Antrag stellst du in OmaKela oder mit dem Formular Y 77e; danach bekommst du eine Kela-Karte für Erstattungen bei privater Gesundheitsversorgung und Medikamenten. Öffentliche Gesundheitsversorgung zu normalen Patientengebühren bekommst du, wenn du eine finnische Wohnsitzgemeinde hast.
- Bankkonto: Löhne und andere Zahlungen laufen in Finnland elektronisch, deshalb brauchst du eins.
Probleme mit deinen Rechten als EU-Arbeitnehmer? Ihr Europa – Beratung und SOLVIT helfen kostenlos.
Wenn du keine Staatsangehörigkeit der EU, Liechtensteins oder der Schweiz hast, brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis von Migri. Die wichtigsten Wege:
- Absolventen finnischer Hochschulen können eine Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche oder Unternehmensgründung für bis zu 2 Jahre bekommen; der Antrag muss innerhalb von 5 Jahren nach Ablauf deiner Erlaubnis zum Studium oder zur Forschung gestellt werden. Mit dieser Erlaubnis darfst du ohne Einschränkungen arbeiten.
- Blaue Karte EU – für Absolventen von mindestens 3-jährigen Studiengängen (oder mit 5 Jahren vergleichbarer Berufserfahrung) mit einem Gehalt von mindestens 3.937 € pro Monat (2026). Sie wird für bis zu 2 Jahre ausgestellt.
- Aufenthaltserlaubnis für Spezialisten – für Experten mit einem Bruttogehalt von mindestens 3.937 € pro Monat (2026); über das beschleunigte Verfahren kannst du sie in zwei Wochen bekommen.
Alle Bedingungen und Schritte zum Antrag erklärt migri.fi.
- Eurostat – Bevölkerung am 1. Januar (auf Englisch), Arbeitslosigkeit nach Alter (auf Englisch), Beschäftigungsquote (auf Englisch) (Daten für 2025 und 2026),
- EURES – Lebens- und Arbeitsbedingungen: Finnland, Arbeitsmarktinformationen: Finnland,
- Job Market Finland – aus dem Ausland nach Finnland kommen (auf Englisch), Stellenangebote (auf Englisch),
- Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung – Mangelbranchen (2025) (auf Englisch),
- Finnische Einwanderungsbehörde – Registrierung des Aufenthaltsrechts (auf Englisch), Gebühren 2026 (auf Englisch), Studieren in Finnland (auf Englisch), Erlaubnis zur Jobsuche (auf Englisch), Blaue Karte EU (auf Englisch), Spezialisten (auf Englisch),
- Finnische Steuerverwaltung – Arbeiten für einen finnischen Arbeitgeber (auf Englisch), persönliche Kennnummern (auf Englisch),
- Kela – Leistungen beim Umzug nach Finnland,
- InfoFinland – Löhne und Arbeitszeiten (auf Englisch), Urlaub und Freistellungen (auf Englisch), Arbeitsvertrag (auf Englisch),
- Finnisches Zentralamt für Bildung – Anerkennung von Qualifikationen (auf Englisch),
- Ihr Europa – Arbeiten im Ausland.
Stand: Oktober 2026.