Belgien

Staat: Belgien
Bevölkerung: 12,0 Mio. (2026)
Hauptstadt: Brüssel
Amtssprache(n): Niederländisch, Französisch, Deutsch
Währung: Euro (EUR)
EU / EWR: EU-Mitglied seit 1958
Arbeitslosenquote (15-74): 6,2 % (2025; EU: 6,0 %)
Jugendarbeitslosigkeit (15-24): 17,4 % (2025; EU: 15,2 %)
Erwerbstätigenquote (20-64): 72,8 % (2025; EU: 76,1 %)
Gesetzlicher Mindestlohn: 2.234 € pro Monat (Juli 2026)
Öffentliche Arbeitsverwaltung: VDAB (Flandern) – vdab.be, Actiris (Brüssel) – actiris.brussels, Le Forem (Wallonie) – leforem.be, ADG (Deutschsprachige Gemeinschaft) – adg.be

Belgien hat drei regionale Arbeitsmärkte, jeder mit eigener Arbeitsvermittlung und eigener Sprache: Niederländisch in Flandern, Französisch in der Wallonie, beides in Brüssel – und Deutsch im Osten. Der Mindestlohn liegt bei 2.234 € pro Monat (Juli 2026), Studierende können 650 Stunden im Jahr mit reduzierten Beiträgen arbeiten, und die Wallonie nennt für 2026 144 Mangelberufe.

Belgien hat 12,0 Mio. Einwohner und drei regionale Arbeitsmärkte. Jede Region hat ihre eigene öffentliche Arbeitsvermittlung: VDAB in Flandern, Le Forem in der Wallonie und Actiris in Brüssel, dazu das ADG (Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft).

Die Arbeitslosigkeit ist leicht gestiegen – von 5,6 % im Jahr 2022 auf 6,2 % im Jahr 2025, knapp über dem EU-Durchschnitt von 6,0 %. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist höher als in der EU insgesamt: 17,4 % bei den 15- bis 24-Jährigen, gegenüber 15,2 %. Die Beschäftigungsquote liegt unter dem EU-Durchschnitt: 72,8 % der 20- bis 64-Jährigen haben einen Job (EU: 76,1 %).

Als Bürger der EU oder des EWR brauchst du keine Arbeitserlaubnis. Am wichtigsten ist die Sprache: In Flandern spricht man Niederländisch, in der Wallonie Französisch, im deutschsprachigen Gebiet Deutsch und in Brüssel Niederländisch und Französisch.

Jede Region veröffentlicht ihre eigene Liste der Mangelberufe (knelpuntberoepen / métiers en pénurie):

  • Flandern – die 10 hartnäckigsten Mangelberufe 2026 laut VDAB (flämische Arbeitsvermittlung): Buchhalter, Baukostenkalkulator, Industrie-Elektromechaniker, Einrichter für Zerspanungsmaschinen, Gartenbauarbeiter, Techniker für Bau-, Landwirtschafts- und Hebemaschinen, Leiter der Industrieinstandhaltung, Pflegekraft, Lkw-Fahrer und Bauleiter.
  • Wallonie – Le Forem (wallonische Arbeitsvermittlung) nennt 144 Mangelberufe für 2026. An der Spitze steht der Bau mit 38, gefolgt von Industrietechnik sowie Gesundheit und Soziales (je 19). Am schwersten zu besetzen sind Haushalts- und Pflegehilfen, Apotheker und Dachdecker; auf der Liste stehen auch Busfahrer, Pflegekräfte, Maurer und Sicherheitsleute.
  • Brüssel – Actiris (Brüsseler Arbeitsvermittlung) hat eine Übersicht über Berufe, in denen eingestellt wird (auf Französisch).

Für das ganze Land nennt EURES Gesundheit, Bildung, Bau und IT als Mangelbranchen, mit großer Nachfrage nach Technikern in Naturwissenschaft und Ingenieurwesen und nach Bauhandwerkern. In Flandern sind Pflegekräfte, andere Gesundheitsberufe und Betreuungskräfte besonders schwer zu finden.

Für Absolventen stehen die Chancen in technischen und Ingenieurberufen, in der Pflege, in der IT und in der Buchhaltung am besten – und in Brüssel hilft es sehr, Französisch und Niederländisch zu sprechen.

Fang mit dem Jobportal der Region an, in der du arbeiten willst:

  • VDAB-Jobsuche – die größte Jobdatenbank in Flandern, mit Filtern für Studentenjobs, Teilzeit und Fahrzeit sowie Job-Alarm per E-Mail (auf Niederländisch),
  • Stellenangebote von Le Forem – jeden Tag Tausende neue Angebote, vor allem in der Wallonie (auf Französisch),
  • Stellenangebote von Actiris – Voll- und Teilzeitjobs in Brüssel, im übrigen Belgien und im Ausland (Französisch, Niederländisch, Englisch),
  • ADG – Stellenangebote und Bewerbungscoaching in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Deutsch, Französisch),
  • EURES – das EU-Jobportal, dazu EURES-Berater, die dir beim Umzug für einen Job helfen.

Stell deinen Lebenslauf in Online-Jobbörsen ein und halte dein LinkedIn-Profil aktuell. Initiativbewerbungen sind möglich: Sag klar, welchen Job du suchst und warum du gerade bei diesem Arbeitgeber arbeiten willst.

Schritt-für-Schritt-Tipps zu Jobsuche, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch in jedem EU-Land findest du in unserem Ratgeber Wie finde ich einen Job im Ausland? – 10 praktische Tipps.

Eine Bewerbung in Belgien besteht meist aus:

  • einem Lebenslauf – persönliche Daten, gewünschte Stelle, Berufserfahrung mit Erfolgen und Ausbildung (das Neueste zuerst), Weiterbildungen, Kompetenzen und deine Sprachniveaus nach der europäischen Skala (GER); du kannst den Europass-Lebenslauf nutzen,
  • keinem Foto – außer der Job erfordert es oder der Arbeitgeber will eins,
  • einem Anschreiben, das du für jede Bewerbung neu schreibst und auf Firma und Stelle zuschneidest – es soll deine Persönlichkeit zeigen und was dich von anderen Bewerbern unterscheidet.

Bewirb dich in der Sprache der Region: Niederländisch in Flandern, Französisch in der Wallonie, Deutsch im deutschsprachigen Gebiet. In Brüssel sind Niederländisch und Französisch üblich.

Abschlüsse: Willst du in Flandern arbeiten und einen ausländischen Abschluss anerkennen lassen, wende dich an NARIC-Vlaanderen. Für das französischsprachige Belgien nutzt du das Gleichwertigkeitsportal der Fédération Wallonie-Bruxelles.

  • Mindestlohn: Der nationale gesetzliche Mindestlohn liegt bei 2.234 € brutto pro Monat (Juli 2026, Eurostat).
  • Kollektive Arbeitsabkommen: Lohntabellen (barema’s / barèmes) handeln Arbeitgeber und Gewerkschaften für jede Branche aus und legen sie in kollektiven Arbeitsabkommen fest (cao / CCT). Sie bestimmen ein Mindest- und ein Höchstgehalt, abhängig von Erfahrung und Dienstalter. Die Nummer deiner paritätischen Kommission (paritair comité / commission paritaire) steht auf deiner Lohnabrechnung.
  • Urlaub: Ein volles Arbeitsjahr bringt dir 20 Tage bezahlten Urlaub bei einer Fünftagewoche (24 Tage bei einer Sechstagewoche). Wie viele Tage es sind, hängt davon ab, wie viel du im vorigen Kalenderjahr gearbeitet hast.
  • Urlaubsgeld (vakantiegeld / pécule de vacances): Für Arbeiter beträgt es 15,38 % der Bruttolöhne des Vorjahres – 8 % einfaches und 7,38 % doppeltes Urlaubsgeld.
  • Schriftlicher Vertrag: Pflicht bei befristeten Verträgen, Teilzeit, Studentenjobs und Arbeit im Haushalt. Verträge können außerdem unbefristet sein, für eine bestimmte Arbeit, als Vertretung oder als Zeitarbeit.

Studierende aus der EU und dem EWR dürfen in Belgien ohne Arbeitserlaubnis arbeiten.

  • Studentenjobs: Mit einem Studentenvertrag kannst du bis zu 650 Stunden pro Kalenderjahr (seit 1. Januar 2025) mit deutlich niedrigeren Sozialbeiträgen arbeiten. Ab der 651. Stunde gelten die normalen Beiträge. Du musst mindestens 16 Jahre alt sein (oder 15, wenn du die ersten zwei Jahre der Sekundarschule abgeschlossen hast), und das Studium muss deine Haupttätigkeit sein.
  • Der Studentenvertrag muss schriftlich sein. Wie viele Stunden du noch übrig hast, siehst du im Onlinedienst und in der App Student@work.
  • Steuern: Auf deinen Verdienst aus Studentenjobs zahlst du keine Einkommensteuer, solange du nicht mehr als 15.971,43 € im Jahr verdienst (Wert für 2026, brutto nach Abzug der Sozialbeiträge).
  • Praktika: Praktika im Rahmen des Studiums sind meist unbezahlt, manche Arbeitgeber zahlen aber Fahrtkosten oder Essen. Die Regeln sind in jeder Region anders; in Brüssel bietet Actiris Praxisausbildungen von bis zu 6 Monaten an.

Studierende von außerhalb der EU mit einer Aufenthaltserlaubnis zu Studienzwecken dürfen während des akademischen Jahres bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten, solange das Studium nicht darunter leidet, und in den Semesterferien unbegrenzt.

Willst du dort zuerst studieren? Lies Studieren in Belgien – praktische Infos.

  1. Ankunft melden: Es wird empfohlen, dass du dich innerhalb von 10 Werktagen nach der Ankunft bei der Gemeinde (gemeente / commune) meldest, in der du wohnst.
  2. Als EU-Arbeitnehmer registrieren: bei der Gemeinde innerhalb von 3 Monaten nach der Ankunft, mit Ausweis und Arbeitsvertrag oder einer Arbeitgeberbescheinigung (Anlage 19bis). Zuerst bekommst du eine vorläufige Bescheinigung (Anlage 8ter); nach einer Kontrolle deiner Adresse durch die Polizei wirst du ins Fremdenregister eingetragen und bekommst eine EU-Aufenthaltskarte. Wenn du dich nicht rechtzeitig registrierst, droht ein Bußgeld von 200 €. Nach den föderalen Regeln ist die Registrierung kostenlos, die Gemeinden verlangen aber Verwaltungsgebühren – in der Stadt Brüssel 25 € für den Antrag und 30 € für die Karte.
  3. Nationalregisternummer (rijksregisternummer / numéro de registre national): Du bekommst sie bei der Registrierung. Du brauchst sie zum Beispiel für dein Bankkonto, für die Arbeitsvermittlung und für die Krankenversicherung.
  4. Krankenversicherung: Werde Mitglied einer belgischen Krankenkasse (ziekenfonds / mutualité).
  5. Steuern: Wenn du in Belgien arbeitest, zahlst du auch in Belgien Einkommensteuer.
  6. Bankkonto: Für die Kontoeröffnung brauchst du ein in Belgien ausgestelltes Ausweisdokument (zum Beispiel deine Aufenthaltskarte) und deine Nationalregisternummer.

Probleme mit deinen Rechten als Arbeitnehmer in der EU? Ihr Europa – Beratung und SOLVIT helfen kostenlos.

Wenn du nicht Bürger der EU oder des EWR bist, brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis und für die meisten Jobs auch eine Arbeitserlaubnis. Arbeitserlaubnisse sind Sache der Regionen – Flandern zum Beispiel hat am 1. Januar 2026 neue Regeln eingeführt. Die wichtigsten Wege:

  • Suchjahr nach dem Studium: Hast du in Belgien einen Hochschulabschluss gemacht, kannst du bis zu 12 Monate bekommen, um einen Job zu suchen oder ein Unternehmen zu gründen. In diesem Jahr hast du uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Stell den Antrag mindestens 15 Tage, bevor deine Studentenkarte (A-Karte) abläuft.
  • Hochqualifizierte (Flandern): Du brauchst einen Bachelor- oder Masterabschluss nach mindestens 3 Jahren Studium, und dein Gehalt muss mindestens dem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt in Belgien entsprechen – oder 80 % davon, wenn du unter 30 bist oder als Pflegekraft oder Lehrkraft arbeitest.
  • Blaue Karte EU (Flandern): für Absolventen eines mindestens 3-jährigen Hochschulstudiums mit einem Vertrag über mindestens 6 Monate und einem Gehalt von mindestens 130 % des durchschnittlichen Bruttojahresgehalts in Belgien. Als wir nachgesehen haben, zeigte die regionale Seite noch die Beträge für 2025.

Details: Ausländeramt – Suchjahr und Flandern – ausländische Arbeitskräfte beschäftigen (auf Niederländisch). Brüssel und die Wallonie haben eigene Verfahren.

Stand: Oktober 2026.


veröffentlicht: 2014-09-23
Datum der letzten Änderung: 2026-10-05

Kennzahlen: Eurostat (Bevölkerung am 1. Januar 2026; Arbeitslosen- und Erwerbstätigenquoten 2025; Mindestlöhne Juli 2026); für das Vereinigte Königreich – Office for National Statistics (britisches Statistikamt); für Liechtenstein – nationale Statistik. Länderinformationen: EURES – Lebens- und Arbeitsbedingungen, die öffentlichen Arbeitsverwaltungen und die offiziellen Regierungswebsites, die bei jedem Land aufgeführt sind. Regeln, Schwellenwerte und Beträge können sich ändern – prüf die offiziellen Quellen, bevor du umziehst. Stand: Oktober 2026.

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